Deutsches Schauspielhaus: Die Maschine oder: Über allen Wipfeln ist Ruh

„Anita Vulesica, die mit »Die Maschine« ihr Debüt am Deutschen SchauSpielHaus gibt, geht in ihrer Inszenierung noch einen Schritt weiter: Bei ihr arbeitet die künstliche Intelligenz der Maschine, indem sie nach dem Wesenskern menschlicher Poesie sucht, an der Rettung der Menschen vor sich selbst und einer alles beherrschenden instrumentellen Vernunft.“

Zwischen den Jahren habe ich das nun mehrfach prämierte Stück in Hamburg gesehen und völlig vergessen, darüber zu schreiben. Da es noch Termine gibt, hole ich das nach.

Disclaimer: Ich bin Theaterbanausin, halte persönlich Goethe für überschätzt, schätze ihn aber als Vertreter deutscher Sprache, und bin Kulturwissenschaftlerin mit einem Background in Computersemeiotik.
Damit bin ich zu 100% die Zielgruppe dieses Stücks, das ich allerdings völlig zufällig gesehen habe, da ich mit meiner Freundin an dem Tag was unternehmen wollte. Die Tickets waren sündteuer, ich habe mich ziemlich über den Preis mokiert, und entsprechend das Publikum: Mit fast 50 Lenzen gehörte ich definitiv zu den jüngeren. Die Boomer haben Geld und Zeit für Kultur, während die Millenials für deren Rente arbeiten.
Trotzdem – Wertschätzung dafür, dass die Boomer Geld für Kultur ausgeben.

Mein Eindruck ist zutiefst persönlich und subjektiv und hat mit einer klassischen Theaterkritik nichts zu tun. Das Stück hat mir gefallen – aufgrund der unglaublichen Leistung der Schauspieler*innen, mit völlig ernster Miene und absolut fehlerfrei die hunderten Iterationen des Stückes aufzusagen. Das Publikum hat oft gelacht, was ich befremdlich fand, denn so funktionieren Computer nun mal?! Mein inneres Schmunzeln bezog sich mehr darauf, dass ich mich fragte ob das Informatiker-Humor sein würde oder ob solche Leute eher achselzuckend dort sitzen würden. Das Vorurteil ggü. Informatikern (nicht gegendert) gibt es nicht völlig umsonst.

Das Stück ließ mich persönlich keinerlei Gesellschaftskritik erkennen, es war einfach bestens unterhaltsam, was in Zeiten einer faschistischen Übermacht der Technologie Konzerne meines Erachtens gerade fehl am Platze wirkt. Auf der anderen Seite kann Kunst nicht immer kritisch sein (ist das so?!) und muss manchmal einfach „delighten“ – also bezaubern, ablenken und erfreuen. Ballett tanzt schließlich auch nicht gegen den Kapitalismus (warum nicht??)

Ich empfehle das Stück, gerade für nicht Theater-Gänger*innen, und würde mit einer automatisierten Bestellung bei McDonald’s am Hauptbahnhof den Abend abschließen, damit es den richtigen Nachhall hat.

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